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Jungenschaft   » Geschichte der Jugendbewegung

Entstehung von CVJM, Jugend- und Pfadfinderbewegung

Young Men's Christian Association (YMCA)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es im Zuge der Industrialisierung zu christlichen Erweckungsbewegungen in Europa und Amerika. Zahlreiche christlich-ökumenische Vereine entstanden, die eine praktische, christliche Lebensweise betonten und konfessionelle Dogmen in den Hintergrund rücken ließen.

1844 gründete George Williams in London den ersten YMCA mit dem Ziel, jungen Männern Glaubens- und Lebensorientierung zu geben. 1848 verbündeten sich in Deutschland neun evangelische Jünglingsvereine in Elberfeld zu einem Nationalverband. Bei der Weltausstellung 1855 in Paris schlossen sich Jugend-Nationalverbände verschiedener Länder zum YMCA-Weltbund zusammen und formulierten die "Pariser Basis" als Arbeitsgrundlage.

1882 wurde aus dem Nationalverband der evangelischen Jünglingsvereine in Deutschland der "Christliche Verein junger Männer"* (CVJM). 1891 entwarf Luther Halsey Gulick (USA) das YMCA-Dreieck als Symbol für die Einheit von Körper, Geist und Seele. Zu den Errungenschaften des YMCA gehört u. a. die Erfindung der Sportarten Basketball (1891, USA) und Volleyball (1895, USA).

"Die Christlichen Vereine junger Männer haben den Zweck, solche jungen Männer miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Männern auszubreiten. Keine an sich noch so wichtigen Meinungsverschiedenheiten über Angelegenheiten, die diesem Zweck fremd sind, sollten die Eintracht brüderlicher Beziehungen unter den nationalen Mitgliedsverbänden des Weltbundes stören." (Pariser Basis, 1855)

* ab 1991 "Christlicher Verein junger Menschen"

Wandervogel-Bewegung

Als Wandervogel wird eine 1896 in Berlin durch Karl Fischer begründete Bewegung städtischer Jugendlicher und junger Erwachsener bezeichnet, die sich schnell im deutschsprachigen Raum verbreitete. Als Gegenreaktion auf wilhelminische Werteordnung, Bevormundung und Industrialisierung suchten die städtischen Jugendlichen nach individueller Entfaltung in der Natur. Schwerpunkte waren mehrtägige Wanderungen für Schüler und junge Erwachsene, sogenannte Fahrten, sowie eine Rückbesinnung auf die Ideale der Romantik. Die schichtenübergreifende Wandervogel-Bewegung gilt als Anfangspunkt der deutschen Jugendbewegung. 1913 fand ein gemeinsames Jugendfest von Wandervögeln und Studentenverbindungen auf dem Hohen Meißner bei Kassel statt, bei dem eine lose Zusammenarbeit der einzelnen Bünde begründet werden sollte.

"Die freideutsche Jugend will ihr Leben aus eigener Bestimmung vor eigener Verantwortung in innerer Wahrhaftigkeit gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein." (Meißner-Formel, 1913)

Scout Movement

1899 veröffentlichte der englische General Robert S. S. Baden-Powell für die britische Armee das Buch "Aids to Scouting" (Anleitung zum Kundschafterdienst). Wegen Baden-Powells Erfolge im südafrikanischen Burenkrieg löste es großes Interesse bei den Jugendlichen in England aus, so dass diese vermehrt "Kundschafter" spielten. Ab 1903 engagierte er sich vermehrt in der christlich-semimilitärischen Jugendorganisation "Boys Brigade".

Baden-Powell begann, aus dem Kundschafterspiel ein erlebnispädagogisches Konzept zur Jugenderziehung zu entwickeln. Zur Erprobung führte er 1907 ein erstes Jugendzeltlager mit Jugendlichen verschiedener Schichten durch. 1908 veröffentlichte er eine überarbeitete Version von "Aids to Scouting" unter dem Titel "Scouting for Boys". Darin benannte er den Ritter St. Georg als Schutzpatron der "Pfadfinder". Nach seinem Vorbild sollten Pfadfinder ritterlich handeln, König und Vaterland dienen, anderen Menschen Freund sein, Hilfsbedürftige und Schwache unterstützen und die Natur schützen. Einheitliche Uniformen sollten die sozialen Unterschiede der Jungen verbergen.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg gründeten sich in vielen Ländern Pfadfindergruppen. Während sich das Pfadfindertum in den meisten Ländern eng am englischen System entwickelte, schlug es in Deutschland einen Sonderweg ein. Einerseits entstanden ab 1909 paramilitärisch geprägte Pfadfinderbünde auf Basis des "Pfadfinderbuches" von Alexander Lion. Parallel dazu bildeten sich Mischformen aus Wandervogel und Pfadfinder, sowie ab 1910 auch evangelische Pfadfindergruppen innerhalb des CVJM.

"Auf die Ehre eines Pfadfinders ist Verlass. Ein Pfadfinder ist treu gegenüber dem König und dessen Beamten, seinen Eltern, seinem Land, seinen Vorgesetzten und denen, die unter seinem Befehl stehen. Die Pflicht eines Pfadfinders ist es, nützlich zu sein und anderen zu helfen. Ein Pfadfinder ist ein Freund zu allen und ein Bruder eines jeden Pfadfinders, egal zu welcher gesellschaftlichen Klasse der Andere gehört. Ein Pfadfinder ist höflich. Ein Pfadfinder ist Freund aller Tiere. Ein Pfadfinder befolgt die Anweisungen seiner Eltern, seines Fähnrichs oder Pfadfinderleiters ohne Frage. Ein Pfadfinder lächelt und pfeift in allen Schwierigkeiten. Ein Pfadfinder ist sparsam. Ein Pfadfinder ist rein in Gedanken, Worten und Taten." (Scouting for Boys, 1908)

Jugendarbeit nach dem 1. Weltkrieg

Bündische Jugend und Deutsche Freischar

Nach dem Ersten Weltkrieg waren viele Führer der deutschen Jugend- und Pfadfinderbewegung gefallen. Statt der Erneuerung des Einzelnen wurde nun die Erneuerung der Gesellschaft zum Ziel der Wandervogel-Bewegung: Fahrtenhemd, Selbstdisziplin und die Gründung von Orden hielten Einzug. Begriffe wie das altgermanische "Thing" für Jahresversammlungen und das schwedische "Hajk" für Fahrten gewannen an Bedeutung. Die Bildung von reinen Jungenschaften begann, Mädchenbünde spielten im Gegensatz zur Vorkriegsära nur noch eine untergeordnete Rolle.

Gleichzeitig gaben die meisten Pfadfinderorganisationen ihre paramilitärische Ausprägung vollständig auf und bekannten sich auf einer Bundesversammlung 1922 klar zur deutschen Jugendbewegung. Die bisherigen Uniformen wichen dem grauen Fahrtenhemd. 1925 schlossen sie sich zum "Großdeutschen Pfadfinderbund" zusammen und vereinigten sich 1926 mit den Wandervogel-Bünden und der "Deutschen Jungenschaft" zur "Deutschen Freischar".

Christliche Pfadfinder

1921 schlossen sich die evangelischen CVJM-Pfadfindergruppen zur "Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands" (CPD) zusammen. Die erste katholische Pfadfindergruppe wurde 1928 in Wuppertal gegründet. Bereits ein Jahr später schlossen sich mehrere katholische Gruppen in Altenberg zur "Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg" (DPSG) zusammen.

Autonome Jungenschaft

1929 wurde Eberhard Koebel aus der "Deutschen Freischar" ausgeschlossen. Einige Gruppen folgten ihm und gründeten die "deutsche autonome jungenschaft vom 1.11.29" (dj.1.11). Ziel waren die extremsten Fahrten und Lager. Ihr Markenzeichen wurde die Kleinschreibung, sowie die Nordland- und Russlandromantik. 1932 gab Eberhard Koebel die Führung der dj.1.11 ab und wurde Mitglied der KPD. Errungenschaften der dj.1.11 wie Kohte, Jurte und die von Koebel entworfene Jungenschaftsjacke hielten aber schnell auch bei der "Deutschen Freischar" und der "Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands" Einzug.

Jugendarbeit und Widerstand im Nationalsozialismus

Hitler-Jugend

Im Juni 1933 wurde die "Deutsche Freischar" zusammen mit anderen nicht-kirchlichen Jugendgruppen durch den Jugendführer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, verboten. Einzelne Jungenschaftsgruppen (Horten) schlossen sich darauf der evangelischen CPD an oder setzten ihre Treffen als "Graue Orden" innerhalb der katholischen Kirche fort. Im Dezember 1933 vereinbarte der evangelische Reichsbischof Ludwig Müller mit Baldur von Schirach jedoch die Eingliederung der CPD-Jugendgruppen in die Hitler-Jugend (HJ) bis März 1934. Viele Gruppen kamen der Eingliederung zuvor, indem sie sich offiziell auflösten. Ab 1936 wurden Jugendliche, die sich der Zwangsmitgliedschaft zur HJ entzogen kriminalisiert. 1938 wurden die DPSG, die "Grauen Orden" und die verbliebenen Junge-Erwachsenen-Gruppen der CPD schließlich verboten.

Edelweißpiraten

1939 erhielten bündische und autonome Gruppierungen im Ruhrgebiet durch GeStaPo-Beamte die Bezeichnung Edelweißpiraten. Das Edelweiß war ein Kennzeichen der verbotenen Bündischen Jugend. Der Namensteil Piraten leitet sich von den Kittelbachpiraten her, einer bis 1933 bestehenden, rechtsradikalen Gruppe aus Düsseldorf, die größtenteils in die SA abwanderte! Die Vermengung der Begriffe Edelweiß und Piraten war also eine Provokation für Jugendliche mit Wurzeln in der Bündischen Jugend oder der links-gerichteten Naturfreundejugend. Sie wurde von jüngeren Gruppierungen gegen Ende des Krieges aber auch als Selbstbezeichnung gewählt. Die Mitglieder versteckten Juden und geflohene Zwangsarbeiter, sabotierten die Hitler-Jugend und schrieben Parolen gegen den Nationalsozialismus an Eisenbahnwaggons und Häuserwände. In den Akten der Gestapo finden sich über 3.500 Namen von verhafteten Mitgliedern aus Köln, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Die Mehrzahl starb in Konzentrationslagern oder als Minensucher an der Ostfront. November 1944 wurden 13 Mitglieder aus Köln ohne vorheriges Gerichtsurteil öffentlich von der Gestapo gehängt. Erst 2003 wurden verurteilte Edelweißpiraten rehabilitiert und 2005 als Widerstandskämpfer anerkannt.

Weiße Rose

Als Weiße Rose wird ein studentischer Freundeskreis aus München bezeichnet. Ab Juni 1942 verfassten, druckten und verteilten sie unter Lebensgefahr Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufriefen. Bereits zuvor besuchten Hans und Sophie Scholl aus Forchtenberg geheime Treffen der zwischenzeitlich verbotenen dj.1.11 und wurden 1937 wegen "Fortführung der Bündischen Jugend nach Ideen der Wandervögel und Pfadfinder" zeitweise verhaftet. Mitglieder von "Deutscher Freischar", dj.1.11 und "Grauem Orden" verteilten Kopien der Flugblätter neben München auch in Stuttgart, Ulm und Hamburg. Einige hatten Massenermordungen in Polen beigewohnt, was sie nach ihrer Rückkehr zum Widerstand bewegte. Im Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl mit weiteren Mitgliedern des engeren Kreises zum Tode verurteilt und mit der Guillotine enthauptet.

"Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund. Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern! Seine und seiner Helfer Schuld hat jedes Maß unendlich überschritten. Die gerechte Strafe rückt näher und näher!" … "Deutsche! Wollt Ihr und Eure Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das den Juden widerfahren ist? Wollt Ihr mit dem gleichen Maße gemessen werden wie Eure Verführer? Sollen wir auf ewig das von aller Welt gehasste und ausgestoßene Volk sein? Nein! Darum trennt Euch von dem nationalsozialistischen Untermenschentum!" (aus 5. Flugblatt, 1942)

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